Die auf privater Ebene entstandene Artenhilfsgemeinschaft wird weiter fortgeführt. Neben der Äsche werden Barben, Nasen, Gründlinge und Elritzen gefördert. In unsere Streckenabschnitte haben wir bereits insgesamt 5000 Barben und Nasen eingesetzt.
Im Rahmen unseres Artenhilfsprogramms, welches als Zielsetzung die Wiederherstellung der ehemaligen Artenvielfalt anstrebt, haben wir am 07. November 2005 ca. 3000 Jungnasen (Chondrostoma nasus) in die Hessische Sinn eingebracht. Die Fische wurden im Teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb Maidbronn nachgezüchtet, ihre Eltern stammen aus dem Main.
Es ist bekannt, dass in früheren Zeiten die Nasen in so gewaltigen Mengen in die Sinn und ihre Nebengewässer zu ihren Laichhabitaten aufstiegen, dass die Bevölkerung sie mit Gabeln und Körben entnahm, um sie zu verwerten. Dieses Naturereignis nannte man damals den Speierritt . Der volkstümliche Name der Nase im Sinngrund lautet "Speier".
Durch die Querverbauungen, die dem Mitteldistanz-Wanderfisch den Aufstieg zu den angestammten Laichplätzen versperrten, nahmen die Bestände ab.
Neben anderen heimischen Fischarten konnten auch die Nasen die Querverbauungen nicht überwinden. In der Folge gab es keinen Nachwuchs mehr und die Art starb aus.
Hoffentlich werden diese Jungnasen den Weg durch das (noch zu bauende) Umgehungsgerinne finden und nicht jämmerlich in den Turbinen enden.
Die stolzen "Nasenväter" Alfred Schmidt und Willi Hüttl.
Weiterhin wurden ca. 1500 Kleinfische wie Schmerlen, Gründlinge und Elritzen in die Schmale Sinn eingebracht.
Weitere 10.000 Jungnasen wurden im Mai 2006 zum Bestandsaufbau in unseren Gewässerstrecken besetzt. Diese Fische wurden von dem teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb Maidbronn in Unterfranken durch künstliche Vermehrung von Elternfischen aus unserem Einzugsgebiet gezüchtet. Es handelt sich somit um wertvolle heimische Fische.
Unsere Bedenken, dass zumindest ein großer Teil dieser Fische bei der abwärts gerichteten Neubesiedelung tödliche Verletzungen in der Turbine des Kleinkraftwerks in Altengronau erleiden wird, bestehen bei der jetzigen Situation zu Recht. Neben anderen Fischarten ist besonders die Nase als Mitteldistanz-Wanderfisch in den unterschiedlichen Altersstadien und Jahreszeiten auf verschiedene Strukturen im Gewässer angewiesen. Fraßplätze, Brutentwicklungsplätze und Winterlager liegen bei der Nase räumlich bis zu 50 KM getrennt voneinander. Aus der Historie wissen wir, dass die meisten Laichhabitate der Nase in der Sinn, sich noch oberhalb Altengronau befanden. In der schmalen Sinn bis in die obere Forellenregion, und in der kleinen Sinn bis oberhalb von Bad Brückenau.
Im Übrigen sind auch Lachse auf diese Lebensräume angewiesen, denn in der Äschenregion und der unteren Forellenregion befinden sich nicht nur die zur Fortpflanzung geeigneten Kiesbänke, sondern auch die benötigte Habitatvielfalt als Lebensraum für die Junglachse. Wir erwähnen den Lachs deshalb, weil bereits in den bayrischen Teil der Sinn erhebliche Mengen Junglachse besetzt wurden. Die Nasen sind grundsätzlich sehr anspruchsvoll, was die Funktion von Fischaufstiegshilfen betrifft. Eine starke Dotation im Verhältnis zum Gesamtabfluß, optimale Auffindbarkeit des Einstiegs und großes Wasservolumen im Umgehungsgerinne sind für eine erfolgreiche Wiederbesiedelung besonders wichtig. Unsere Vorstellungen von einer zukünftigen Wanderhilfe an der Wehranlage in Altengronau, entsprechen nicht nur aus den vorgenannten Gründen dem Umgehungsgerinne in Schaippach wo heutiger Mindeststandard verwirklicht wurde. Die Möglichkeit aller Wasserbewohner auf-und ab zu wandern muss ermöglicht werden.
Es besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen allen Wanderhilfen in einem System. Besondere Sorgfalt in der Ausführung sind aber im Oberlauf wegen der Laichplätze erforderlich, sonst ist alles sinnlos. Das Kernproblem ist, dass die Zielgewässerabschnitte vorgenannter Arten und anderer, erreicht werden, und somit die Kriterien der Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere die Aufwärts und Abwärtswanderung gewährleistet werden. Hierin besteht der größte Handlungsbedarf