| Alfred Schmidt | Telefon: | 06052-3181 |
| Wächtersbacher Weg 9 | Telefax: | 06052-9289747 |
| 63619 Bad Orb | E-Mail: | alfred.schmidt@arge-sinntal.de |
| Forellenzucht Biosphären-Reservat Rhön | Telefon: | 06683-919090 |
| Forellenhof 1 | Telefax: | 06683-919092 |
| 36115 Ehrenberg-Wüstensachsen | E-Mail: | keidel-forellen@t-online.de |
| Dr. Christian Köhler | Telefon: | 06151-125271 |
| Wilhelminenstr. 1-3 | Telefax: | 06151-126547 |
| 64283 Darmstadt | E-Mail: | c.koehler@rpda.hessen.de |
Die Äschenbestände sind in den letzten 20 Jahren in ihrem gesamten mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet drastisch zurückgegangen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig und durch Untersuchungen in- und ausländischer Fischereibiologen gründlich recherchiert und dargelegt worden.
Folgende Hauptursachen wurden festgestellt:
Aufbaumaßnahmen durch den Besatz allochthoner Äschen sind nicht zu empfehlen, da sie sich nur in Ausnahmefällen reproduzieren und die Gefahr der Einschleppung von Krankheiten, sowie der Verlust der genetischen Identität der heimischen Art besteht. Zu dieser Thematik steht umfangreiche Fachliteratur zur Verfügung, die dem interessierten Leser eine ergiebige Quelle sein kann, sowie wichtige Entscheidungsgrundlagen für eigene Vorhaben vermittelt.
Die Sinn am Sportplatz in Altengronau
Das Flusssystem Sinn verfügt über ausgezeichnete Laichhabitate, hohen Natürlichkeitsgrad, ein ausgezeichnetes Nährtieraufkommen, sehr gute Wasserqualität und eine biologische Gewässergüte von durchschnittlich 1,50.
Es ist ein sommerkaltes Gewässer mit durchweg hartem Untergrund, die Höchst-temperatur im Fünf-Jahres-Mittel beträgt 15,5° C. Unsere Bewirtschaftung erlaubt nur das Fischen mit der künstlichen Fliege, ohne Widerhaken und mit geringen Entnahmen. Äschen, Barben und Nasen sind seit fünf Jahren ganzjährig geschützt. Die Zahl der Fischereierlaubnis-Scheine ist begrenzt, ein großer Streckenteil darf nur vier Monate im Jahr befischt werden.
2. Durch die Mühlgräben abwandernde Fische werden weiterhin Opfer der Turbinen.
Die Gemeinde Sinntal, vertreten durch Herrn Bürgermeister Heberling, sowie der
Leiter des Ordnungsamtes, Herr Kohlhepp, haben hier ein offenes Ohr und sind
unterstützend tätig.
Die erste Fischaufstiegshilfe ist in der Phase der Auftragsvergabe. Die ARGE
Sinntal bedankt sich für das Engagement der Gemeinde Sinntal recht herzlich.
Elektroabfischung durch F.-J. Wichowski |
3. Vergrämungsmaßnahmen gegen Kormorane werden durchgesetzt.
4. Der Aalbestand wird durch Elektroabfischung normalisiert und künftig kontrolliert. 5. Die Befischung und die Entnahmen sowie die Zahl der Fischereierlaubnis-Scheine werden weiterhin dem Fischbestand und der Reproduktionskraft des Gewässers angepasst.
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Peter Micknass setzt eine Äsche zurück |
6. Die Befischung und die Entnahmen sowie die Zahl der
Fischereierlaubnis-Scheine werden weiterhin dem Fischbestand und der
Reproduktionskraft des Gewässers angepasst.
7. Durch künstliche Vermehrung der autochthonen Äschen soll eine stabile Population mit breiter Jungfischbasis aufgebaut und nachhaltig stabilisiert werden.
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Um eine erfolgreiche, künstliche Äschenvermehrung zu ermöglichen, ist es notwendig, den richtigen Entnahmezeitpunkt zu ermitteln. Es gibt zwar in der entsprechenden Fachliteratur Hinweise auf verschiedene Indikatoren des Laichzeitbeginns, wir entschieden uns aber für intensive Beobachtung, um die Laichwilligkeit festzustellen und um den Fischen das Verfahren der Hypophysierung zu ersparen.
Laichhabitat der Äsche in Altengronau |
Als Entnahmestelle wählten wir eine von Häusern und im weiteren Verlauf durch
dichten Kronenschluss von Schwarzerlen verlaufenden Gewässerabschnitt von ca.
250 Metern Länge, der von den Kormoranen verschont geblieben war. Anzeichen des
Laichbeginns waren am
1. April 2002 erkennbar.
Innerhalb Tagesfrist reagierte die oberen Fischereibehörde im
Regierungspräsidium Darmstadt.
Herr Dr. Köhler und Frau Wilhelm erteilten die Erlaubnis zur Laichfisch-entnahme in der Schonzeit, sowie den Einsatz des Elektro-Fischgerätes durch Herrn Fischwirtschaftsmeister Lothar Keidel. Hier bestätigt sich die praxisorientierte, unbüro-kratische Arbeitsweise der oberen Fischereibehörde. Hierfür und für die bisherige tätige Unterstützung herzlichen Dank. |
Laichfischentnahme |
Am 03.04.2002 wurde die Laichfischentnahme durchgeführt. Die Wetterlage war
leicht bewölkt, die Luftemperatur betrug 12° C, die Wassertemperatur betrug 6°
C. Leichtes Hochwasser bedingte eine Sichttiefe von ca. einem Meter. Mit der
Unterstützung der
ARGE Sinntal- Fördermitglieder Herrn Kurt Ullrich, Herrn Gerhard Gebhard und
Herrn Dr. Thorsten Klagges war eine reibungslose und fischgerechte
Elektro-Befischung gewährleistet. Beim Ergebnis zeigte sich sehr deutlich der
Erfolg des 4-jährigen Entnahmeverbotes. Es wurden 69 Äschen, davon 29 Stück
über 30 cm, 14 Stück über 35 cm sowie 26 Stück kleiner 30 cm erfasst. Darüber
hinaus wurden Bachforellen, Rotaugen, Döbel, Hasel, Gründlinge, Schmerlen, 1
Saibling, ein Aal und eine Rutte von 55 cm Länge registriert.
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Bei den zunächst zurückgehaltenen Äschen über 30 cm war das ausgewogene Geschlechterverhältnis bemerkenswert. Das Entnahmeverbot zeigte auch hier seine Erfolge, sind doch in der Regel die Rogener deutlich in der Unterzahl, begründet im höheren Nahrungsbedarf (Gonadenaufbau) vor und nach dem Laichvorgang. Das heißt, sie werden häufiger als die Milchner gefangen. Dem Fischwirtschaftsmeister Lothar Keidel wurden 25 laichfähige Äschen zur Durchführung der künstlichen Vermehrung überantwortet.
Dottersacklarven
Als Problem ergab sich, dass die Lochung der Siebbleche der
Unterstrombrutapparate mit 1,75 mm zu groß waren. Der weitaus größte Teil der
Brütlinge schlüpfte durch und ging verloren. Zur Aufzucht standen nur noch ca.
200 Brütlinge zur Verfügung.
Die Dottersackaufzehrung war nach 11 Tagen beendet. Der Literatur ist zu
entnehmen, dass Aufzuchtversuche mit künstlichem Futter (Trockenfutter,
staubfein) schon erfolgreich waren.
Herr Keidel versuchte dies, aber die Larven verweigerten das Trockenfutter.
Zwar nahmen sie das Futter auf, aber sie spuckten es sofort wieder aus. Die
Umstellung des Futters auf Zooplankton änderte dies sofort. Die Larven jagten
den Wasserflöhen förmlich hinterher.
Wir schließen daraus, dass es sich bei Äschenlarven, die Trockenfutter nehmen
um die Nachzucht von in Gefangenschaft gehaltenen Elterntieren handelt.
Bei den der freien Wildbahn entnommenen Äschen wird für die Aufzucht
Zooplankton benötigt. Um unseren Erfolg weiter zu schmälern, wurde die
Wasseramsel tätig und nutzte das Angebot im offenen Aufzuchtgerinne sehr
gründlich.
Der Lebensraum in der Natur sind die lichtdurchfluteten Flachwasserzonen der Uferbereiche, wo die Äschenlarven die Driftnahrung nutzen. Aus diesem Grund erfolgte die Aufzucht im Langstrombecken im Freien. Bis die Ursache für die weitere Reduzierung von Herrn Keidel entdeckt wurde, waren die Jungfische bis auf einen kläglichen Rest von 31 Stück dezimiert worden.
Am 8. Juli 2002 brachten wir die 31 Juvenilen mit ca. 50 bis 60 mm Länge in einer feierlich- traurigen Aktion, aber um viele Erfahrungen reicher, in das Ursprungsgewässer zurück. Wegen der gemachten Erfahrungen sind wir optimistisch und hoch motiviert. Das Projekt: "Künstliche Äschenvermehrung in der Sinn und der schmalen Sinn" werden wir im nächsten Jahr wiederholen.
In der letzten Märzwoche sah man erste Anzeichen von Laichaktivität bei den Äschen in Altengronau. Eilig wurden die bewährten Helfer zum Elektrofischen zusammengerufen.
Das Elektrofischer-Team am Start zur Laichfischentnahme.
Die Fischerei war recht erfolgreich und Fischwirtschaftsmeister Lothar Keidel konnte 43 Äschen zum Abstreifen mitnehmen. 39 davon konnten ca. zwei Wochen später wieder in die Sinn zurückgesetzt werden. Da er mittlerweile schon etwas Erfahrung mit der Äschenvermehrung gesammelt hatte, gestaltete sich die Erbrütung und Aufzucht der Jungäschen nicht übermäßig problematisch.
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Am 10. September 2003 war es soweit. Nach dem enttäuschenden Ergebnis des
Jahres 2002 gab es vom Äschenprojekt Gutes zu berichten:
Mit einem kleinen Festakt vor geladenen Gästen wurden 3.500 Jungäschen in die
Sinn entlassen, aus der ihre Eltern im März entnommen wurden.
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Die im Vorjahr gemachten Erfahrungen bei der Jungfischaufzucht machten sich
bezahlt. Der stolze "Äschenvater" Lothar Keidel brachte die
vorgestreckten Jungfische nach Altengronau, wo sie vorsichtig an ihr
"Heimatgewässer" gewöhnt und in die neue Freiheit entlassen wurden.
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Rainer Hennings, Alfred Schmidt und Bürgermeister Heberling |
Für die Unterstützung der Gemeinde Sinntal bei allen Ideen und Projekten der ARGE-Sinntal bedankte sich Alfred Schmidt (Mitte) mit einem Scheck für soziale Projekte der Gemeinde Sinntal. |
2004 begann das Äschenprojekt sehr vielversprechend! Der Laichfischfang war erfolgreich und Lothar Keidel nahm 40 Äschen zum Abstreifen mit in die Rhön. Nach dem eleutheroembryonalen Lebensabschnitt gelang der Übergang zur exogenen Ernährung nur sehr schwer und war verlustreich. Ungünstige meteorologische Bedingungen (länger anhaltende Kälteperiode) beeinträchtigte das Aufkommen von Zooplankton und somit die Ernährungsgrundlage der Larvalphase. Die Umstellung auf die von Herrn Keidel verwendete sichere Ernährung bis zum juvenilen Lebensabschnitt gelang nur eingeschränkt. Zooplankton fremder Herkunft war auch aus hygienischen Gründen nicht zu verwenden. Im Umgang mit der Natur muss man solche Beeinträchtigungen zur Kenntnis nehmen und unter der Rubrik "Erfahrungen" zusätzlich verwerten. Trotzdem konnten mehrere hundert Jungfische gezüchtet werden.
Im Jahr 2005 hat sich eine sinnvolle Artenschutzgemeinschaft gebildet, die aus
gemeinsamer Besorgnis um die Äschenbestände tätig geworden ist.
Sie besteht aus folgenden Mitgliedern:
ARGE-Sinntal Gewässerökologie, Koordinator Alfred Schmidt,
Angelsportverein Marjoss, vertreten durch Herrn Wolfgang Strott, Vorstand,
Angelsportverein Bad Orb, vertreten durch Herrn Heinz Fischer, Vorstand,
Angelsportverein Bad Brückenau, vertreten durch Herrn Werner Kenner, Vorstand
und Präsident des Fischereiverbandes Unterfranken,
Hegefischereigenossenschaft Untere Sinn, vertreten durch Herrn Ottmar
Wiesenfelder, Genossenschaftsvorsitzender, zuständig für 28 Kilometer untere
Sinn und eine Vielzahl von Einzelpächtern.
von links nach rechts: Alfred Schmidt - ARGE-Sinntal, Rudolf Ziegler -
Gemeindvorstand, Herr Kramer - Bad Brückenau, Erwin Trapp - Bad Brückenau,
Wolfgang Strott - ASV Marjoss, Lothar Keidel, Willi Hüttl - Bad Orb, Edgar
Löffler und Ottmar Wiesenfelder - Hegefischereigenossenschaft Untere Sinn
Wie bisher wurde dieses Projekt für den hessischen Teil vom Regierungspräsidium Darmstadt, Obere Fischereibehörde, Herrn Dr. Köhler und Frau Wilhelm befürwortet und finanziell gefördert.
Für den bayrischen Teil befürwortete und unterstützte diese Maßnahme die Fachberatung für Fischerei, Bezirk Unterfranken in Würzburg, Herr Dr. Wondrak.
Die neue Gemeinschaft bedankt sich recht herzlich für die Unterstützung zu diesem länderübergreifenden Projekt zum Aufbau des Äschenbestandes in der Jossa und der Sinn. Selbstverständlich begründet sich auch hierin die Hoffnung auf zukünftiges weiteres verständnisvolles Entgegenkommen der betreffenden Behörden.
Wegen Hochwasser musste die Laichfischentnahme auf den 29. März 2005 verschoben werden. Teilweise hatten die Äschen an den Laichplätzen schon abgelaicht, was natürlich unser Ergebnis schmälerte. So ist es eben mit der Natur. Von Herrn Keidel wurden noch teilweise laichtragende Äschen sowohl im hessischen als auch im bayrischen Teil der Sinn entnommen und in seinem Betrieb im Biosphärenreservat Rhön zur Laichgewinnung für die künstliche Vermehrung verwendet. Nach diesem Vorgang wurden die Elterntiere in das Entnahmegewässer zurückgebracht. Nach der Dottersackphase war auf Grund der von Herrn Keidel gesammelten Erfahrungen die Aufzucht der Jungfische unproblematisch und die meteorologischen Verhältnisse begünstigten die Aufzucht.
Der Jahrgang 2005
Am Freitag. dem 26. August 2005 war es dann soweit: Ca. 10.000 Jungfische in der Größe von 8 bis 10 cm wurden in einer Besatzmaßnahme aller Beteiligten in Jossa, schmale Sinn und Sinn an ca. 20 verschiedenen Abschnitten in ihr Ursprungsgewässer zur Bestandserhaltung dieser lokalen Rasse eingesetzt, davon im hessischen Abschnitt 3000 Fische
Ein großer Tag für den Äschenbestand in der Sinn
Dieses von der ARGE-Sinntal Gewässerökologie entwickelte Äschenprojekt hat
inzwischen europaweit vielseitige Beachtung und besondere Aufmerksamkeit
erlangt.
Mit Fischwirtschaftsmeister Herrn Keidel wird häufiger Erfahrungsaustausch über
diese spezielle Regionalrassenvermehrung gesucht. Auch hierin bestätigen sich
die großen Sorgen um den Erhalt der Äschenbestände im In- und Ausland.
Aus den Erfahrungen unseres Partners Herrn Keidel resultiert die Erkenntnis,
dass selbst im gleichen Gewässereinzugsbereich deutliche Unterschiede bei den
Größen und Farben des Äschenrogens bei gleicher Fischgröße Realität sind.
Die Erkenntnis, dass die künstliche Vermehrung (wenn möglich) immer mit
Elterntieren des zu besetzenden Gewässers vorgenommen werden sollte, begründet
sich hierin.
Besatz an der unterfränkischen Sinn
und an der Jossa
Der zukünftige Erfolg des Äschenprojekts liegt darin begründet, dass sich die Rahmenbedingungen erheblich verbessert haben. Hervorzuheben sind die Beseitigungen der Querverbauungen in der Sinn im bayrischen Abschnitt, hier wurde mit großem Aufwand renaturiert. Hinsichtlich dieser erheblichen und aufwändigen Verbesserungen gebührt den zuständigen bayrischen Behörden große Anerkennung.
Verhinderung der Wiederinbetriebnahme eines Kleinkraftwerks (Altrecht).
Auf Initiative der ARGE-Sinntal hat das Regierungspräsidium Darmstadt, Abtlg. Staatliches Umweltamt Hanau vertreten durch Frau Dubs die Wiederinbetriebnahme eines Kleinkraftwerks (Altrecht) verhindert. Dieses alte Wasserrecht wurde mit ausführlicher Begründung entschädigungslos eingezogen. Diese behördliche Entscheidung durch Frau Dubs verdient besondere Anerkennung, Respekt und Dank.
Den Schriftverkehr und die Begründung können sie hier einsehen.
Durch diese Querverbauung sind in den letzten zwei Jahrzehnten heimische
Fischarten wie Nase, Barbe, Hasel, Koppen, Elritzen, Gründlinge und Schmerlen
oberhalb des Bauwerks nahezu ausgelöscht worden, da keine Rückwanderung möglich
war.
Dies veranlasste die ARGE-Sinntal, ein ausführliches Gutachten zu
dieser Maßnahme erstellen zu lassen.
Sehr eindrucksvoll berücksichtigt dieses Gutachten sowohl die ökologischen als
auch die Interessen des Wasserkraftbetreibers. Die fast jährlichen Hochwasser
die besonders in Aspenweg und Hüttenweg in Altengronau schwere Schäden
verursachen, sind in diesem Gutachten ausführlich berücksichtigt.
Die Arge-Sinntal baut darauf, dass die Fischaufstiegs- und -abstiegshilfe in Altengronau nach den neuesten Erkenntnissen realisiert wird, und nicht etwa aus ökonomischen Erwägungen eine Version verwirklicht wird, die den Orientierungsmerkmalen dieses Gewässers nur höchst unzulänglich gerecht werden.
Inzwischen ist mit Unterstützung des Regierungspräsidiums Darmstadt, Abteilung Staatl. Umweltamt Frankfurt, die Lösung des Fischaufstiegs in Altengronau erarbeitet worden. Hierfür bedanken wir uns recht herzlich bei der Dezernatsleiterin Frau Elisabeth Geselle und ihrem Mitarbeiter Herrn Andreas Herz.
Den großen Bemühungen unseres Partners Fischwirtschaftsmeister Lothar Keidel ist es zu verdanken, dass die Problematik der künstlichen Vermehrung unserer gefährdeten Sinn-Äschen gelöst und nachhaltig gesichert wurde. Durch unser Projekt ist es möglich geworden, auch in anderen Einzugsgebieten den Fortbestand der Äschen zu sichern. Nach der Laichfischentnahme am 12. April 2006 aus der Sinn in Altengronau hatte Lothar Keidel die Laichgewinnung und die Aufzucht der Jung-Äschen voll im Griff.
Das Ergebnis waren über 150.000 Jungfische, die von Elterntieren aus der Sinn nachgezüchtet wurden.
Die Nachwuchsäschen, kurz vor ihrer Auswilderung.
Diese Jungfische werden zur Bestandssicherung in der Sinn in Hessen und in
Unterfranken, in die Jossa sowie in Gewässer des Odenwalds und im Bereich
Oberfranken in Gewässern des dortigen Maineinzugsgebiets eingesetzt werden.
Inzwischen hat Lothar Keidel nicht nur bundesweit, viele Kontakte geknüpft.
Auch aus dem europäischen Ausland wird reges Interesse bekundet, um die
gesammelten Erfahrungen zu nutzen. Die genetische Identität einer seit der
letzten Eiszeit angepassten heimischen Fischart bleibt erhalten. Der Mensch als
Nutzer der Natur hat unbestreitbar auch die ethische Verpflichtung den durch
verschiedene Einflussnahmen entstandenen Schaden wieder gut zu machen.
Es war unsere Motivation, mit dem Projekt der „Künstlichen Äschenvermehrung“
einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Dies ist uns mit tatkräftiger
Unterstützung durch unseren Partner Lothar Keidel und seiner Familie mit großem
Engagement gelungen.
Am 13. Oktober wurde die Jungäschen des Jahrgangs 2006 im Rahmen eines kleinen
Festaktes der Sinn übergeben.
Unter den zahlreichen Gästen der Veranstaltung an der Grillhütte in Altengronau
befanden sich
Herr Carsten Ullrich, Bürgermeister der Großgemeinde Sinntal,
der Vertreter des Landrats, Herr Franz Elpelt, Bürgerbeauftragter des
Main-Kinzig-Kreises,
der Geschäftsführer des Verbandes Hessischer Sportfischer, Herr Leonhard R.
Peter,
der Vizepräsident des Verbandes Hessischer Sportfischer, Herr Rainer Hennings,
der Vorsitzenden der Hegefischereigenossenschaft Sinn-Unterfranken, Herr Ottmar
Wiesenfelder,
der Präsident des Fischereiverbandes Unterfranken, Herr Werner Kenner,
dazu Pressevertreter, ein Fernsehteam und natürlich der "Äschenvater" Lothar
Keidel.
Der Projektinitiator Alfred Schmidt hielt eine kurz Ansprache, die hier
nachzulesen ist:
" Im Namen der Arge-Sinntal und unseres Kollegen Fischwirtschaftsmeister Lothar Keidel aus dem Biosphärenreservat Rhön, begrüße ich Sie hiermit zum erfolgreichen Abschluss unseres Projekts künstliche Äschenvermehrung und zum Beginn der Besatzmaßnahmen.
Herzlich Willkommen.
Was bedeutet dieses Projekt?
Täglich verabschieden sich durch ungünstige Einflussnahmen Pflanzen und Tiere
unwiederbringlich aus unserem Lebensraum. Das bedeutet, unsere Natur wird ohne
dass wir es deutlich wahrnehmen, täglich ärmer.
Wir Menschen als ein Teil dieser Natur, sind infolge dessen natürlich mit
betroffen.
Ohne Wasser ist kein Leben möglich, die Gewässer sind die Lebensadern unserer
Kulturlandschaften.
Nur intakte Gewässer mit einem großen Artenspektrum garantieren auch unser
Fortbestehen.
Der Nachteil unserer Gewässer besteht darin, dass nur wenige Menschen
wahrnehmen was sich unter der Wasseroberfläche abspielt. Fischarten
verschwinden still und lautlos. Oftmals ist durch Veränderungen der Lebensräume
keine Fortpflanzung mehr möglich und die Fische sterben aus.
Eine dieser gefährdeten Fischarten ist europaweit die Äsche, man nennt sie auch
die edle Dame der Flüsse.
Die Äschen haben ein ausgeprägtes Homing-Verhalten. Das heißt, es haben sich
nach der letzten Eiszeit, seit ca. 12.000 Jahren drei regionale Rassen
entwickelt, mit einer sehr engen Bindung an ihr jeweiliges
Gewässereinzugsgebiet. Deshalb verbieten sich Besatzmassnahmen aus fremden
Gewässern, sie wandern größtenteils ab, sie verschwinden.
In Deutschland unterscheiden wir drei Einzugsgebiete: Donau, Main-Rhein und
Weser.
Unsere Zielsetzung war, neben anderen Konflikten die Bestandssituation der
Äschen im Sinngrund und somit im gesamten Maineinzugsgebiet nachhaltig zu
sichern.
Es ist uns gelungen, direkt von aus der Sinn entnommenen Wildfischen Nachwuchs
zu züchten, wobei die entnommenen Elterntiere wieder zurückgebracht wurden.
Die Aufzucht dieser Wildlinge gestaltete sich wegen der speziellen
Anforderungen an ihre Ernährung schwierig und sehr kompliziert.
Lothar Keidel hat dieses im Laufe der Zeit nachhaltig gelöst.
Das Projekt ist in der geplanten Zeit von 5 Jahren erfolgreich beendet."
Insgesamt wurden in den letzten fünf Jahren in der Gemarkung Sinntal 27.531
Jungäschen besetzt!
In die bayrische Sinn, die Jossa, die Kinzig und
die Brückenauer Sinn wurden 28.100 Fische besetzt.
Weitere ca. 90000 Jungäschen werden zur Bestandserhaltung in verschiedene Mainzuflüsse eingebracht.
Kosten und Ergebnis des Projekts zum Abschluß:
| Jahr | Stückzahl | Kosten in Euro | Zuschuss in Euro |
| 2002 | 31 | 313,92 | 156,96 |
| 2003 | 3500 | 2.060,10 | 1.031,50 |
| 2004 | 2000 | 1.000,00 | 500,00 |
| 2005 | 10.000 | 5.014,00 | 1.000,00 |
| 2006 | 12.000 | 6.016,00 | 3.008,00 |
| Gesamt | 27 531 | 14 404,02 | 7.203,46 |
Die von der der Arge-Sinntal getragenen Kosten betragen ohne logistische manuelle und administrative Leistungen 7.200,56 Euro.
Download als pdf-Datei (1,8MB)
Hessen-aktuell (1,3MB)
Hessenjournal (1,7MB)
Artikel in der Mainpost vom 19.10.2006
Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 10. November 2006.